Therapie des Schubes

Die Therapie des akuten MS-Schubes mit Kortikosteroiden gilt als etabliert und sollte bei sicherem Vorliegen eines Schubes, entsprechend klinischem Schweregrad und nach Ausschluss von Kontraindikationen durchgeführt werden. In der Regel wird Methylprednisolon als Infusion in einer Dosierung von 0,5 bis 1 Gramm pro Tag über zumeist 5 Tage verabreicht.

Eine kürzere (3 Tage) oder längere (7 bis 10 Tage) Hochdosistherapie kann in Abhängigkeit vom Schweregrad des Schubes und vom Therapieansprechen überlegt werden. Noch höhere Dosen (2 Gramm pro Tag) bewirkten in einer Studie bei 31 Patienten klinisch messbare eine Verbesserung der Beeinträchtigung und in der Kernspintomographie eine signifikante Reduktion der Läsionen. Diesbezüglich können aber noch keine Empfehlung abgegeben werden, da ein größeres Patientenkollektiv mit klinischem Endpunkt notwendig ist. Es ist also in meinen Augen genauso verwerflich, zu behaupten, dass Kortison nur aufschiebende, jedoch keine heilende Wirkung hätte.

Weitere Möglichkeiten für eine immunsuppressive Therapie stehen mit Cyclophosphamid zur Verfügung. Diese Substanz wirkt zytotoxisch und immunsuppressiv, und sie ist bei rasch progredienter MS (Therapie oder Prophylaxe) sowie Versagen anderer Therapien indiziert: Alter 40 Jahre, Krankheitsdauer <10 Jahre. Die kumulative Gesamtdosis darf bei der MS-Therapie maximal 30 Gramm betragen.

Das bislang am längsten eingesetzte Immunsuppressivum ist Azathioprin (allerdings ohne heutigen Standards entsprechenden Prüfungsprotokollen). Eine Metaanalyse zeigte eine signifikante Schubreduktion unter Azathioprin, allerdings ohne Beeinflussung des Behinderungsgrades. Patienten mit stabilem Verlauf können unter regelmäßigen Blutbild-, Leber- und Nierenwert-Kontrollen die Therapie für etwa zehn Jahre fortsetzen. Von einigen Zentren wird beim Absetzen ein Sicherheitsabstand von drei Monaten zu einer anderen immunsuppressiven Variante empfohlen.

unter Zuhilfenahme der Quelle: ÄrzteWoche Zeitungsverlagsges.m.b.H., Wien