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Rekombinantes Interferon beta-1a ADNr zur Behandlung der schubförmigen Verlaufsformen der multiplen Sklerose
1 Wirkstoffampulle (Lyophilisat) enthält:
Wirkstoff: Interferonum beta-1a ADNr 33 µg (6,6 Mio. IU) bei einer kalkulierten Überfüllung von 10%.
Nach Rekonstitution enthält 1 ml Lösung (entspricht 1 Dosis) 30 µg (6 Mio. IU) Interferonum beta-1a.
Hilfsstoffe: Natrii chloridum, Natrii dihydrogenophosphas, Dinatrii phosphas, Albuminum humanum.
Lösungsmittel: Fertigspritze mit 1,1 ml Aqua ad iniectabilia.
Galenische Form: Avonex ist ein Lyophilisat zur i.m. Injektion, das vor der Verabreichung in sterilem Wasser für Injektionszwecke aufgelöst wird.
Avonex enthält als Hilfsstoff Albumin, das aus gepooltem, humanem Plasma hergestellt wird. Die Plasmaspenden stammen ausschliesslich aus behördlich zugelassenen Blutspendezentren, und von bezahlten freiwilligen Spendern. Alle zur Herstellung des Albumins verwendeten Plasmaspenden sind HBs-Antigen, Anti-HCV und Anti-HIV negativ und weisen keine pathologisch erhöhten GPT-Werte auf. Das Herstellungsverfahren enthält mehrere Schritte, deren virusinaktivierende Wirkung allgemein anerkannt wird.
Interferone sind eine Familie natürlich vorkommender Proteine, die von den eukaryotischen Zellen im Rahmen der Immunantwort auf virale Infektionen und andere biologische Stimuli gebildet werden. Interferone sind Zytokine, die antiviral, antiproliferativ und immunmodulatorisch wirken. Die Interferone werden in drei Hauptgruppen eingeteilt: IFN-alpha, IFN-beta und IFN-gamma. Interferon alpha und beta gehören der Interferon-Klasse I, Interferon gamma der Interferon-Klasse II an. Die verschiedenen Interferone besitzen sich überschneidende, aber klar voneinander unterscheidbare biologische Wirkungen und können sich auch in bezug auf ihre Synthesestellen in der Zelle unterscheiden.
Interferon beta wird im Körper von verschiedenen Zelltypen, u.a. den Fibroblasten und Makrophagen, produziert. Natürliches Interferon beta und das rekombinante Interferon beta in Avonex sind glykosyliert und haben eine durch Stickstoff verknüpfte komplexe Kohlenhydratkomponente. Die Glykosylierung anderer Proteine beeinflusst ihre Stabilität, Aktivität, biologische Verteilung und Halbwertszeit im Blut. Die Wirkungen von Interferon beta, die von der Glykosylierung abhängig sind, sind bisher noch nicht vollständig erforscht.
Interferon beta-1a ADNr wird durch rekombinante Techniken aus CHO (Chinese Hamster Ovary) Zellen, die ein gentechnisch hergestelltes Plasmid mit einem humanen Interferon beta-1a-Gen enthalten, gewonnen.
Avonex entwickelt seine biologische Wirksamkeit durch Bindung an spezifische Rezeptoren auf der Oberfläche der menschlichen Zellen. Durch diese Bindung wird eine komplexe Kaskade intrazellulärer Abläufe eingeleitet, die zur Expression zahlreicher interferoninduzierter Genprodukte und Marker führt, darunter 2',5'-Oligoadenylat-Synthetase, b2-Mikroglobulin und Neopterin. Diese Substanzen wurden im Serum und in den Zellfraktionen von Patienten gemessen, die mit Avonex behandelt wurden. Nach einer einzelnen intramuskulären Gabe von Avonex bleibt der Serumspiegel dieser Substanzen 4 Tage bis eine Woche lang erhöht, wobei die Signifikanz dieser Veränderung in bezug auf den Wirkungsmechanismus von Avonex bei multipler Sklerose zur Zeit noch unklar ist.
Eine Studie mit Patienten mit rezidivierender multipler Sklerose hat gezeigt, dass - gemessen mit der Erweiterten Invaliditätsskala (Expanded Disability Status Scale - EDSS) - das Fortschreiten der Invalidität durch die intramuskuläre Gabe von einmal wöchentlich 30 µg Avonex signifikant verzögert werden konnte.
Als weiterer Nutzen der Behandlung von Patienten mit rezidivierender multipler Sklerose mit Avonex konnte eine Verringerung der jährlichen Exazerbation um ein Drittel nachgewiesen werden. Diese Wirkung auf den Verlauf der multiplen Sklerose wurde nach einer ein- bis zweijährigen Behandlung beobachtet.
Analog zu den beschriebenen klinischen Vorteilen ist bei der Behandlung mit Avonex auch bei den Markern, die zur Beurteilung der Krankheitsintensität herangezogen werden (Kernspintomographie - NMR - mit Läsionsdarstellung mit Gadolinium), eine signifikante Verringerung feststellbar.
Die Pharmakokinetik von Interferon beta-1a ADNr wurde bei gesunden Probanden indirekt durch die Messung der antiviralen Aktivität des Interferons untersucht. Die Untersuchungsmethode erfasste funktionell intaktes Interferon beta, war aber nicht spezifisch für Interferon beta-1a ADNr. Alternative Untersuchungen mit ELISA waren bisher nicht ausreichend empfindlich.
Absorption
Interferon beta-1a ADNr wird nach intramuskulärer Injektion vollständig vom Applikationsort absorbiert. Maximale Serumaktivitäten, entsprechend Serumkonzentrationen von etwa 20-40 IU/ml, wurden 8-15 Stunden nach intramuskulärer Verabreichung von 30 µg (6 Mio. IU) Interferon beta-1a ADNr gemessen.
Gemessen an der antiviralen Aktivität ist die Bioverfügbarkeit von Avonex nach intramuskulärer Injektion etwa dreimal grösser als nach subkutaner Injektion. Die intramuskuläre Injektion kann daher nicht durch eine subkutane Verabreichung ersetzt werden.
Distribution
Nach intravenöser Gabe wird Interferon beta-1a ADNr anfänglich relativ schnell aus dem Kreislaufsystem entfernt und anschliessend etwas langsamer eliminiert (siehe Elimination).
Wirkstoffinjektionen im wöchentlichen Abstand führen nicht zur Kumulation des Wirkstoffs im Serum, und die Pharmakokinetik scheint sich unter Therapie nicht zu verändern.
Metabolismus
Spezifische Studien zum Metabolismus von Avonex wurden nicht durchgeführt. Avonex ist ein Protein mit sehr hoher Strukturhomologie zum natürlichen b-Interferon. Damit ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Avonex über die gleichen enzymatischen Wege wie das natürliche b-Interferon inaktiviert und metabolisiert wird.
Elimination
Die Serum-Halbwertszeit von Avonex beträgt ca. 3 Stunden.
Kinetik in besonderen klinischen Situationen
Die Pharmakokinetik von Avonex bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion wurde bisher nicht untersucht.
Es wurden bisher keine Patienten unter 18 und über 55 Jahren behandelt.
Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten
Belegte Indikation
Schubweise verlaufende multiple Sklerose.
Die Anwendung von Avonex bei Patienten mit progressiver multipler Sklerose wurde bisher nicht untersucht.
Nicht alle Patienten sprechen auf die Behandlung mit Avonex an. Es gibt allerdings keine klinischen Kriterien zur Vorherbestimmung der Ansprechbarkeit eines Patienten auf die Therapie. Es liegen keine Erfahrungen ausserhalb der Altersgruppen 18 bis 55 Jahren vor. Die therapeutischen Erfahrungen beschränken sich vorläufig auf 2 Jahre.
Zur Behandlung schubförmiger Verlaufsformen der multiplen Sklerose wird die intramuskuläre Injektion von 30 µg (1 ml der rekonstituierten Lösung) Avonex einmal wöchentlich empfohlen.
Über die Sicherheit und Wirksamkeit bei der Behandlung von MS-Patienten mit von diesen Empfehlungen abweichenden Dosierungen liegen keine Daten vor.
Korrekte Art der Anwendung
Zur Rekonstitution von Avonex vor der Injektion wird die mit Lösungsmittel gefüllte Fertigspritze mitgeliefert. Kein anderes Lösungsmittel verwenden. Der Spritzeninhalt wird mit Hilfe der grünen Rekonstitutionsnadel in die Avonex-Ampulle gegeben. Den Inhalt der Ampulle vorsichtig mischen, bis sich alle festen Bestandteile gelöst haben; Ampulle nicht schütteln.
Falls die Lösung bei der Inspektion Partikel oder Verfärbungen (mit Ausnahme einer leichten Gelbfärbung) aufweist, darf die Ampulle nicht mehr verwendet werden.
Nach der Rekonstitution wird 1 ml der Lösung in die Spritze (Markierung auf der Fertigspritze beachten) aufgezogen, um die Dosis von 30 µg Interferon beta-1a zu verabreichen. Die Nadel zur intramuskulären Injektion (blau) liegt bei.
Das Präparat enthält keine Konservierungsmittel. Jede Ampulle Avonex enthält nur eine Einzeldosis. Der restliche Inhalt der Ampulle ist zu verwerfen.
Die Injektionsstelle sollte wöchentlich variiert werden. Empfohlene Injektionsstellen sind Oberschenkel (vorne oder seitlich), Oberarm und Hüfte.
Unmittelbar vor der Injektion kann 500 mg Paracetamol und während 24 Stunden nach der Injektion kann Paracetamol 500 mg, 3-4 mal täglich; maximal insgesamt 2000 mg/24 h verabreicht werden, um akute Symptome, die bei der Gabe von Avonex auftreten können, zu lindern.
Kontraindikationen
Avonex ist kontraindiziert bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber natürlichem oder rekombinantem Interferon beta, Humanalbumin oder anderen Bestandteilen des Präparates.
Wegen des potentiellen Risikos für den Fötus ist Avonex bei einer bestehenden Schwangerschaft ebenfalls kontraindiziert.
Vorsichtsmassnahmen
Die Patienten sind über die häufigsten Nebenwirkungen aufzuklären, die bei der Gabe von Interferon auftreten, z.B. Symptome des grippeähnlichen Syndroms (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Diese Symptome treten vorwiegend zu Beginn der Behandlung auf und nehmen mit fortgesetzter Behandlung an Häufigkeit und Schwere ab.
Bei Patienten, die unter Depressionen leiden, ist Avonex mit Vorsicht anzuwenden. Depressionen und Suizidgedanken sind bei Patienten mit multipler Sklerose vermehrt anzutreffen. Fälle von Depressionen und Suizid wurden bei Patienten berichtet, die mit Interferon-Präparaten behandelt wurden. Patienten, die mit Avonex behandelt werden, sollten daher angehalten werden, Depressionssymptome oder Suizidgedanken unverzüglich dem behandelnden Arzt mitzuteilen. Patienten, die Anzeichen von Depression zeigen, sind während der Behandlung mit Avonex sorgfältig zu überwachen und entsprechend zu behandeln. Ein Abbruch der Behandlung ist zu erwägen.
Vorsicht ist auch bei der Gabe von Avonex bei Patienten mit präexistenten epileptischen Anfallserkrankungen angebracht. Bei Patienten, bei denen erstmals während der Behandlung mit Avonex Anfälle auftreten, ist die Krankheitsursache zu ermitteln und anschliessend vor der Wiederaufnahme der Behandlung eine geeignete Therapie mit Antikonvulsiva einzuleiten.
Eine Anwendung von Avonex bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird nicht empfohlen.
Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz bzw. mit schwerer Myelosuppression geboten.
Patienten mit Herzerkrankungen wie Angina pectoris, dekompensierter Herzinsuffizienz oder Arrhythmie sind während der Behandlung mit Avonex sorgfältig auf eine mögliche Verschlechterung ihres klinischen Zustands hin zu überwachen. Die Symptome des grippeähnlichen Syndroms, die während der Behandlung auftreten können, können eine zusätzliche Belastung für Patienten mit schweren zugrundeliegenden Herzerkrankungen darstellen.
Patientinnen sind über die mögliche abortive Wirkung von Avonex aufzuklären (siehe auch «Schwangerschaft/Stillzeit»).
Es gibt nur begrenzte Erfahrungen zur Langzeitverträglichkeit von Avonex über 2 Jahre hinaus.
Bei der Gabe von Interferon können bestimmte, wenngleich in der Regel nicht behandlungsbedürftige Veränderungen der Laborwerte auftreten. Es kann zur Verminderung der Zahl von Lymphozyten, Leukozyten, Thrombozyten und Neutrophilen im peripheren Blut sowie zur Verringerung des Hämatokrits kommen. Bei einer Interferonbehandlung wird allgemein ein vorübergehender Anstieg des Kreatinins, des Harnstoff-Stickstoffs, des Kaliums, und der Serum-Alanintransaminase sowie der Aspartattransaminase beobachtet. Zusätzlich kann es zu einem vorübergehenden leichten Abfall des Serumcalciums kommen.
Neben den Laborparametern, die normalerweise bei Patienten mit multipler Sklerose erforderlich sind, wird während der Behandlung mit Avonex zusätzlich eine Überwachung des Gesamt-Blutbilds und des Leukozyten-Differenzialblutbilds, der Thrombozytenzahl und der übrigen Laborwerte (einschliesslich Leberfunktionstests) empfohlen. Bei myelosupprimierten Patienten ist möglicherweise eine häufigere Überprüfung des Gesamt-Blutbilds mit Differenzialblutbild und Thrombozytenzählung erforderlich.
Patienten können unter Avonex Antikörper entwickeln. Diese Antikörper reduzieren die Aktivität von Interferon beta-1a in vitro (neutralisierende Antikörper). Neutralisierende Antikörper sind mit einer Reduktion des in vivo biologischen Effekts von Avonex assoziiert und können unter Umständen mit einer Reduktion der klinischen Wirksamkeit zusammenhängen. Es wird geschätzt, dass das Plateau für die Bildung von Antikörpern nach 12 Monaten Behandlung erreicht ist. Daten von Patienten, welche bis zu 2 Jahren mit Avonex behandelt wurden, deuten darauf hin, dass ca. 8% dieser Patienten neutralisierende Antikörper entwickeln. In der 1996 publizierten Jacobs-Studie wurden bei 24% der mit Interferon beta-1a ADNr. (BG 9418) behandelten Patienten neutralisierende Antikörper mittels eines anderen, in der Zwischenzeit überholten Testverfahrens bestimmt.
Da verschiedene Testverfahren zur Bestimmung von Serumantikörpern gegen Interferone verwendet werden, ist ein Vergleich der Antigenität unterschiedlicher Präparate nur begrenzt möglich.
Die Antikörperbestimmung erfolgt mittels eines Avonex-spezifischen Assay, der jedoch zurzeit weder kommerziell erhältlich ist noch in der Schweiz durchgeführt werden kann. Weitere Informationen zu diesem Test können bei der Vertriebsfirma bezogen werden.
Schwangerschaft/Stillzeit
Schwangerschaftskategorie C.
Ausreichende kontrollierte Studien über die Gabe von Interferon bei Schwangeren liegen nicht vor.
Bei Tests mit Rhesusaffen, denen das Präparat zwischen dem 21. und 49. Gestationstag alle zwei Tage subkutan injiziert wurde, zeigte Interferon beta keine teratogene Wirkung und bis zu einer Dosierung von 33 µg/kg keine schädlichen Auswirkungen auf die Entwicklung des Fötus. Bei einer Dosierung von 33 µg/kg (etwa dem 80fachen der empfohlenen wöchentlichen Dosis beim Menschen) war eine abortive Wirkung feststellbar; bei Gabe von 0,8 µg/kg (ca. das Doppelte der empfohlenen wöchentlichen Dosis beim Menschen) wurde keine abortive Wirkung beobachtet. Interferon beta zeigte bei Rhesusaffen keine teratogene Wirkung; eine mögliche teratogene Wirkung beim Menschen ist bisher noch nicht untersucht.
Frauen im gebärfähigen Alter sollten vor dem Behandlungsbeginn mit Avonex angemessene kontrazeptive Massnahmen treffen. Wird die Patientin während der Behandlung mit Avonex schwanger oder plant sie eine Schwangerschaft, so ist sie über die potentiellen Gefahren für den Fötus aufzuklären und die Therapie abzubrechen.
Bisher ist nicht bekannt, ob Avonex in die Muttermilch übergeht. Aufgrund der möglichen ernsthaften Nebenwirkungen beim Säugling sollte entweder abgestillt oder die Avonex-Behandlung ausgesetzt werden.
Seltene Nebenwirkungen sind möglicherweise noch nicht beobachtet worden. Am Ende dieses Kapitels sind die Nebenwirkungen aufgeführt, die in multizentrischen klinischen Studien in den Vereinigten Staaten bei MS-Patienten, die 30 µg Interferon beta-1a ADNr einmal wöchentlich über einen Zeitraum von 2 Jahren erhielten, bei mindestens 2% der Patienten der jeweiligen Behandlungsgruppe (Placebo, Verum) beobachtet wurden.
Die häufigsten Nebenwirkungen infolge der Avonex-Therapie ähneln denen des Grippesyndroms (61%). Zu den am häufigsten berichteten Symptomen des Grippesyndroms zählen Muskelschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Asthenie, Kopfschmerzen und Übelkeit. Die grippeähnlichen Symptome treten vorwiegend zu Beginn der Behandlung auf und nehmen mit fortgesetzter Behandlung an Häufigkeit ab.
Weitere beobachtete Nebenwirkungen sind: Reaktionen an der Injektionsstelle, Vasodilatation, Palpitationen, Diarrhöe, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Alopezie, Metrorrhagie und/oder Menorrhagie, Gelenkschmerzen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Angstzustände, Parästhesie, Juckreiz, Urtikaria und Hautausschlag.
Weniger häufige Nebenwirkungen sind Schmerzen im Brustkorb und Tachykardie.
Konvulsionen und Arrhythmien können in seltenen Fällen während der Behandlung mit Avonex auftreten (siehe «Vorsichtsmassnahmen»).
Transiente Episoden von erhöhtem Muskeltonus und/oder starker Muskelschwäche, welche willkürliche Bewegungen verhindern, können zu Beginn der Therapie auftreten. Diese Vorfälle sind von begrenzter Dauer, stehen in zeitlichem Zusammenhang zu den Injektionen und können nach weiteren Injektionen erneut auftreten. In einigen Fällen sind diese Symptome mit grippeähnlichen Symptomen assoziiert. Ein Ohnmachtsanfall kann nach einer Avonex-Injektion auftreten; normalerweise ist dies ein einzelner Vorfall, der zu Beginn der Therapie vorkommen kann und bei weiteren Injektionen nicht wieder auftritt.
Fälle von Depressionen traten unter der Behandlung mit Avonex, wie auch bei anderen Interferonpräparaten auf; bei Patienten, die unter Depressionen leiden, ist Avonex daher mit Vorsicht anzuwenden (siehe «Vorsichtsmassnahmen»).
Das Auftreten von Autoimmunstörungen, Störungen des Zentralnervensystems (ZNS) und Herzschädigungen wurde mit der Verabreichung von Interferonen in Zusammenhang gebracht. Ebenfalls ist über seltenes Vorkommen von dekompensierter Herzinsuffizienz, Arthritis, Hypo- und Hyperthyreoidismus, Desorientiertheit, emotionaler Labilität und Psychosen unter Therapie mit Avonex berichtet worden.
Hepatitis wurde selten beobachtet.
Während der Behandlung mit Avonex können bestimmte, wenngleich in der Regel nicht behandlungsbedürftige, Veränderungen der Laborwerte auftreten. Beispielsweise kann es zur Verringerung der zirkulierenden Lymphozyten, der Leukozyten, Thrombozyten und Neutrophilen sowie des Hämatokrits kommen. Bei einer Interferonbehandlung wird allgemein ein vorübergehender Anstieg des Kreatinins, des Harnstoff-Stickstoffs, des Kaliums sowie des Calciums im Harn beobachtet. Zusätzlich kann es zu einem vorübergehenden leichten Abfall des Serumcalciums kommen. Im weiteren wurden Leberfunktionstestveränderungen beobachtet.
Nach dem derzeitigen Stand des Wissens und der Technik ist das Übertragungsrisiko aller bekannten und unbekannten, aus Humanplasma stammenden Viren nicht mit absoluter Sicherheit auszuschliessen.
Über die Übertragung von Hepatitis B oder Hepatitis Non A/Non B/Hepatitis C durch den Hilfsstoff Albumin ist bisher nichts bekannt.
Nebenwirkungen, die bei mindestens 2% der Patienten der jeweiligen Behandlungsgruppe (Placebo, Verum) im Rahmen einer multizentrischen Studie (Vereinigte Staaten) beobachtet wurden:
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Nebenwirkungen Placebo Interferon
(beobachtet in der N = 143, beta-1a
pivotalen Studie «Jacobs») in % ADNr
N = 158,
in %
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Körper insgesamt
Kopfschmerzen 57 67
Grippe- und Erkältungssyndrom* 40 61
Schmerzen 20 24
Fieber* 13 23
Asthenie 13 21
Schüttelfrost* 7 21
Infektionen 6 11
Abdominale Schmerzen 6 9
Rückenschmerzen 4 6
Reaktionen an der
Injektionsstelle 1 4
Unbehagen 3 4
Entzündungen an der
Injektionsstelle 0 3
Allergische Reaktionen 0 3
Ovarialzyste 0 3
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Herz-Kreislauf-System
Bewusstlosigkeit 2 4
Vasodilatation 1 4
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Verdauungsapparat
Übelkeit 23 33
Diarrhoe 10 16
Dyspepsia 7 11
Anorexia 6 7
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Blut- und Lymphsystem
Anämie* 3 8
Eosinophilie >=10% 4 5
HCT(%) <=32 (bei Frauen)
bzw. <=37 (bei Männern) 1 3
Hautblutungen an der
Injektionsstelle 1 2
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Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
SGOT >=3 facher oberer Normwert 1 3
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Bewegungsapparat
Muskelschmerzen* 15 34
Arthralgie 5 9
----------------------------------------------------
Nervensystem
Schlafschwierigkeiten 16 19
Schwindelgefühl 13 15
Muskelkrämpfe 6 7
Suizidgedanken 1 4
Krämpfe 0 3
Sprachstörungen 0 3
Ataxie 0 2
Depression 15 15
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Atemwege
Infektion der oberen Atemwege 28 31
Sinusitis 17 18
Dyspnoe 3 6
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Haut und Anhangsgebilde
Hautausschlag 2 5
Haarausfall 1 4
Naevus 0 3
Herpes zoster 2 3
Herpes simplex 1 2
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Spezielle Sinnesorgane
Mittelohrentzündung 5 6
Gesteigertes Hörempfinden 0 3
----------------------------------------------------
Urogenitalsystem
Vaginitis 2 4
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* statistisch signifikanter Zusammenhang mit der Interferon beta-1a ADNr-Behandlung (p £0,05)
Es wurden keine Interaktions-Studien mit Avonex am Menschen durchgeführt.
Die Auswirkung einer einmal wöchentlichen Behandlung von MS-Patienten mit 30 µg Interferon beta-1a ADNr auf den Metabolismus anderer Medikamente ist nicht bekannt. Allerdings wurde die gleichzeitige Behandlung dieser Patienten mit Avonex und Kortikosteroiden oder ACTH während einem Schub gut vertragen.
Aufgrund fehlender klinischer Erfahrung wird die Gabe anderer Immunmodulatoren als Kortikosteroiden oder ACTH bei MS-Patienten, die unter Avonex-Behandlung stehen, nicht empfohlen.
Interferone verringern die Aktivität der Cytochrom-P450-abhängigen Enzyme bei Mensch und Tier. Präklinische Studien mit Rhesusaffen zeigten nach Verabreichung von hohen Dosen Avonex keine Beeinflussung des CP450-abhängigen Leberstoffwechsels.
Vorsicht ist angebracht bei der gleichzeitigen Gabe von Avonex und Arzneimitteln, die eine enge therapeutische Breite aufweisen und weitgehend über die Cytochrom-P450-Reduktase metabolisiert werden, wie z.B. Antiepileptika und verschiedene Klassen von Antidepressiva.
Einzeldosen von 75 µg wurden Probanden unter Paracetamol-Prophylaxe gegeben mit dem anschliessenden Auftreten der für Interferon bekannten Nebenwirkungen.
Berichte über eine Überdosierung liegen nicht vor. Bei einer Überdosierung sollten die Patienten jedoch zur Beobachtung ins Krankenhaus eingewiesen und eine geeignete unterstützende Behandlung eingeleitet werden.
Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
Hinweise
Avonex ausschliesslich mit dem Lösungsmittel der mitgelieferten Fertigspritze (Aqua ad iniectabilia) rekonstituieren. Kein anderes Lösungsmittel verwenden.
Avonex sollte allein, d.h. nicht zusammen mit anderen Injektionsflüssigkeiten, verabreicht werden.
Haltbarkeit
Das Medikament darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet werden.
Lagerung
Avonex kann bei maximal 25 °C gelagert werden. Das rekonstituierte Präparat kann vor der Injektion bei 2-8 °C während maximal 6 Stunden aufbewahrt werden.
Lyophilisat und gelöstes Präparat nicht einfrieren.
Einzeldosispackungen (Interferon beta-1a ADNr als Lyophilisat), Fertigspritze mit 1,1 ml Lösungsmittel zur Rekonstitution und 2 Nadeln: 4* (Fr. 1605.45). [B]
Stand
der Information Tel Deutschland : 0800-3737000
| April 1999. | RL88 |