In der international renommierten Fachzeitschrift "The New England
Journal of Medizine", Ausgabe 2.Januar 2003, werden neue
Studienergebnisse zum MS-Medikament Natalizumab (Antegren) bekannt,
einem "humanized monoklonal antibody". Die Veröffentlichung zeigt sowohl
für die Behandlung der Multiplen Skerose (MS) wie auch für Morbus Crohn
vielversprechende Ergebnisse. Denn es wird berichtet, daß Antegren das
Fortschreiten der Krankheit wesentlich verlangsame und sowohl bei MS wie
auch bei Morbus Crohn Schübe weitgehend verhindern könne. Das neue
Medikament ist bei der irischen Firma ELAN Corporation pcl. in Dublin
zusammen mit BIOGEN Inc., Cambridge/USA seit 1999 in Entwicklung. Es
wurden bereits mehrere große klinische Untersuchungen in Phase II
durchgeführt, darunter eine Multi-Center-Untersuchungen mit 213
Patienten an 26 Stellen in USA, Canada und Großbritannien. Antegren wird
als erstes Medikament einer neuen Klasse von Therapeutika bezeichnet. Es
wird in monatlichen Abständen intravenös verabreicht.

Nach dem jüngsten Bericht zeigen die Ergebnisse der Untersuchung, daß
das Medikament die Ausbildung neuer Läsionen im Gehirn von MS-Patienten
um etwa 90% verringern kann. Die Forscher meinen, daß dies signifikant
größer ist als die 50-80%-Reduktion, die mit den gegenwärtig
erhältlichen Interferon-Behandlungen möglich sei. Eine weitere Studie im
gleichen Journal stellt fest, daß Antegren (der Name ist von der
amerikanischen Zulassungsstelle FDA noch nicht offiziell bestätigt) die
Abstände von Erkrankungen vergrößert und die Lebensqualität von
Patienten mit Morbus Crohn verbessert. Beide Erkrankungen sind als
Autoimmunkrankheiten bekannt, bei denen sich das schädigende System
gegen eigene Gewebebestandteile im Körper wendet.

Obwohl Experimente mit Tieren und mit Versuchspersonen eine
vielversprechende Therapie der MS zeigten, waren die Langzeit-Effekte
des Medikamentes bislang unbekannt. In der erstgenannten Studie gaben
die Wissenschaftler den Versuchspersonen eine entweder geringe oder hohe
Dosis des Medikamentes. Dabei fanden sie heraus, daß die Zahl von neuen
Veränderungen im Gehirn bei den Personengruppen, die das Medikament
erhielten, dramatisch geringer waren als bei den Gruppen, die
Placebopräparate bekommen hatten. Als Mittelwert wurde von 10 neuen
Läsionen in der Placebogruppe berichtet gegenüber nur 0,7 - 1,1 neuen
Läsionen in der Verum-Gruppe. Zusätzlich hatten etwa doppelt soviele
Personen in der Placebogruppe neue Schübe, verglichen mit den Patienten,
die Antegren erhalten hatten. Beide behandelten Gruppen (MS und Morbus
Crohn) zeigen Verbesserungen im allgemeinen Wohlbefinden, während die
Patienten, die kein Antegren erhielten, über einen schlechten
Allgemeinzustand klagten.

In der zweiten Studie berichteten europäische Wissenschaftler über die
Ergebnisse ihrer Behandlung von mäßigen bis schweren Krankheitsbildern
bei Morbus Crohn-Patienten. Die Probanden hatten entweder eine hohe
Dosis Antegren oder aber Placebos erhalten. Die Wissenschaftler fanden
heraus, daß sich die Lebensqualität bei den Patienten deutlich
verbesserte, die Antegren erhalten hatten gegenüber den Patienten, die
ohne Antegren auskommen mußten. Beide Gruppen, die doppelte Dosen des
Medikamentes erhalten hatten, erholten sich schneller von ihren Schüben
als die Placebogruppen. Nach Aussage der Forscher wurde das Medikament
bei den Patienten in beiden Studiengruppen gut vertragen.

Trotz dieser positiven Ergebnisse sagen die Autoren der beiden neuen
Studien, daß weitere Untersuchungen einer größeren Anzahl von Patienten
sowie Langzeit-Untersuchungen erforderlich seien. Aus den Informationen
kann abgeleitet werden, daß neben den bekannten Medikamenten nunmehr in
naher Zukunft ein weiteres Basismedikament, vermutlich nach Ende der
(begonnenen) Phase III und der europäischen Zulassung, d.h. etwa in den
Jahren 2006/07 im Handel erhältlich sein dürfte.

Quellen: WebMD Health, 02. Januar 2003,
               New England Journal of Medicine, Jan 2003,
               Press Release ELAN Corp. 22.01.2001
               HEALTH NEWS, 26.07.2001